Der US-Präsident macht’s vor – machen Sie es nach

Glauben Sie, das Beraterteam des amerikanischen Präsidenten hat Ahnung von Marketing? Das Team, dem Präsident Obama seinen gigantischen Wahlerfolg zu verdanken hat, sollte doch etwas davon verstehen, wie man relevante Adressen (Leads) einsammelt und zu Fans/Kunden/Wählern macht, oder?

Wie wäre es, wenn Sie etwas, dass der Präsident gerade tut, 1:1 nachmachen könnten? Nichts leichter als das.

Auf der Website des Weißen Hauses (www.whitehouse.gov) finden Sie derzeit eine Besonderheit. Vor die eigentliche Website wurde eine Vorschaltseite (Squeeze Page) geschaltet, die nur einen Zweck hat: E-Mail-Adressen einzusammeln.

Wenn sogar der amerikanische Präsident das macht, kann es ja nicht so verkehrt sein, oder?

Warum macht Obama das?

Offenbar hat man im Weißen Haus das wahre Ziel einer Website erkannt: Kontakte einsammeln. Die Seite des Weißen Hauses gehört immerhin zu den 5.000 meistbesuchten Seiten der Welt (gemäß Alexa). Da dürften sich einige 10.000 oder mehr Besucher jeden Tag auf der Seite aufhalten. Diese lesen vielleicht ein paar Artikel durch, schauen sich ein Video an oder klicken sich durch die Bildergalerie – und schwupps, sind sie wieder weg. Und jetzt?

Für das Weiße Haus sind diese Besucher nicht viel wert, weil sie sich nicht nachfassen lassen. Vielleicht hat der Besuch der Seite die Meinung beeinflusst, vielleicht auch nicht. Vielleicht wählen sie jetzt Obama, vielleicht nicht. Vielleicht erzählen sie ihren Freunden von der Seite, vielleicht nicht. Es gibt keinen Weg, das herauszufinden, also ein reines Glücksspiel.

Drei Wege, um Besucher greifbar zu machen

Für Website-Betreiber ist es daher unverzeihlich, diese Besucher nicht zu greifbaren und vor allem nachfassbaren Kontakten zu machen. Dafür gibt es nur drei Wege:

  • Ausfüllen eines Kontaktformulars oder Absenden einer Bestellung
  • Abonnieren eines Social Media-Feeds (meist Facebook, Twitter oder RSS)
  • Einsammeln der E-Mail-Adresse

Mit einer dieser drei Aktionen verwandelt sich der anonyme Besucher in einen Menschen mit einer Kontaktadresse. Er kann auch nach dem Besuch der Seite angesprochen werden. Ihm können weitere Botschaften geschickt werden, er kann über laufende Aktionen informiert werden und er kann aktiv darum gebeten werden, die Botschaft weiterzutragen.

Wie weit sind Sie schon?

Sammeln Sie auf Ihrer Website aktiv E-Mail-Adressen ein? Und damit ist nicht irgend ein versteckter Link zu einem Newsletter gemeint, der sich in der dritten Ebene unter „Internes“ verbirgt. Haben Sie den Wert dieser Methode für Ihr Marketing erkannt?

Sie müssen nicht unbedingt eine Vorschaltseite bauen, das kann aus SEO-Gründen sogar nach hinten losgehen. Aber Sie sollten auf jeden Fall ein Newsletter-Formular gut sichtbar auf Ihrer Website platziert haben. Bauen Sie es am besten weit oben und von jeder Seite aus zugänglich ein und nennen Sie die 1-3 wichtigsten Argumente, warum man sich bei Ihnen eintragen sollte.

Sehen Sie die Website künftig nicht mehr nur als reines Informationsmedium, sondern vor allem als Lead-Generierer. Räumen Sie dieser Aufgabe künftig mehr Priorität und Wichtigkeit ein. Und wenn die Geschäftsleitung fragt, was denn dieses aufdringliche Newsletter-Formular da oben plötzlich soll, sagen Sie einfach: „Obama macht das auch so“ 🙂

 

2 Responses to “Der US-Präsident macht’s vor – machen Sie es nach”

  1. Daniel Nemer sagt:

    Wer gibts denn schon seine E-Mail-Adresse auf allen möglichen Seiten an? Schon heute sind 99% des E-Mail-Verkehrs Spam. Spamfilter müssen Höchstleistungen bringen.

    Und dann ist noch die Frage: Was will man mit vielen Adressen von irgendwem? Einfach so seine Message in die Welt hinausemailen ist doch sinnlos. OK es kostet nicht viel, aber ob man damit genau die richtigen Personen erreicht, halte ich für äußerst fraglich.

  2. admin sagt:

    Die E-Mail-Adresse geben Menschen nur ab, wenn sie dafür einen entsprechend großen Mehrwert bekommen. Und das muss man ihnen direkt kommunizieren. Deshalb der Hinweis, dass man seine wichtigsten Argumente direkt am E-Mail-Feld kommunizieren sollte. Nicht jeder hat einen so starken Namen wie Obama 🙂

    Mit der Wirksamkeit von organisch generierten Adressen hast du dich offenbar noch nicht allzu ausgiebig beschäfigt. Warum sollten das Adressen „von irgendwem“ sein? Es sind Adressen von Leuten, die ihre E-Mail selbst in das Formular eingetragen haben. Es ist also offenbar ein gesteigertes Interesse vorhanden. „In die Welt hinaus“-Posaunen ist genau das, was Werbung normalerweise ist (TV- und Radiowerbung, Zeitungsbeileger, Plakate etc.). Diese Werbeformen richten sich an alle denkbaren Empfänger in der Hoffnung, dass die Zielpersonen darunter sind. Warum das bei gezieltem E-Mail-Marketing an freiwillige Empfänger auch oder sogar noch schlimmer sein sollte, musst du mir erklären 🙂

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